Ressourcenschonung

Der Umstieg von fossilen Kraftstoffen auf Biokraftstoffe ist möglich ohne eine gesicherte Nahrungsmittelproduktion zu gefährden und ohne Inanspruchnahme zusätzlicher Flächen.

Der bundesweit durchschnittliche Kraftstoffverbrauch in der Landwirtschaft liegt bei ca. 100 Litern pro Hektar. Das sind auf die gesamte Landwirtschaft Deutschlands bezogen weniger als 2 Mio. t pro Jahr. Da die Menge der bewirtschafteten Flächen langfristig konstant ist, wird sich daran in den nächsten Jahren nur wenig ändern.

Aufgrund des speziellen Anforderungsprofils an landwirtschaftliche Maschinen sind in Sachen Motorentechnik in den nächsten Jahrzehnten ebenso keine grundsätzlichen Änderungen zu erwarten und man wird weiterhin auf die Technik der Verbrennungsmotoren angewiesen sein. So wird die Frage, wie bei immer knapper werdenden fossilen Rohstoffen eine zukunftssichere Energieversorgung der heimischen Landwirtschaft gewährleistet werden kann, zukünftig immer mehr in den Vordergrund treten.

Die für die Landwirtschaft nahe liegendste Antwort auf diese Frage ist die Versorgung mit eigens erzeugtem Kraftstoff. Bei einer durchschnittlichen Rapserntemenge von 4 Tonnen pro Hektar entspricht die Ölausbeute ca. 1.200 Liter pro Hektar. Bei den oben angegebenen Werten bedeutet dies, dass ein Landwirt weniger als 10 % seiner Fläche benötigt, um hinsichtlich der Kraftstoffversorgung seines Hofes völlig autark zu sein.

Biokraftstoffe in der Land- und Forstwirtschaft nutzen als Nischenmarkt somit systembedingt nur einen kleinen Teil der landwirtschaftlichen Fläche und sichern und steigern langfristig und nachhaltig die landwirtschaftliche Nahrungsmittel- und Rohstoffproduktion, indem der Landwirtschaft weltweit eigene regionale Antriebsenergie zur Verfügung stellt – was in vielen Ländern der Welt keine Selbstverständlichkeit ist!

Mehr Informationen hierzu finden Sie beispielsweise im Internetangebot von www.agrarantieb.de.

Koppelprodukte als Plus für die Bilanz

Bei der Herstellung von Biokraftstoffen fallen Nebenprodukte an, wie Extraktionsschrot bzw. Presskuchen bei der Pflanzenölgewinnung oder Schlempe bei der Ethanolproduktion aus Getreide. Diese sogenannten Koppelprodukte sind z. B. wertvolle Eiweißfuttermittel, können als Dünger oder energetisch, z. B. in einer Biogasanlage, genutzt werden. Glycerin aus der Weiterverarbeitung von Pflanzenöl zu Biodiesel findet darüber hinaus breite Verwendung in der Lebensmittelindustrie, der chemischen Industrie und der Medizin. Die Nebenprodukte der Biokraftstoffproduktion können bei der Bilanzierung im Rahmen der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung als Gutschrift angerechnet werden.

Beispielrechnung

So liefert zum Beispiel ein Hektar Raps bei dezentraler Verarbeitung etwa 1,3 t oder 1.400 l Rapsöl, 2,3 t Eiweißfutter und 6,7 t Stroh. Damit werden gleichzeitig Teller, Trog und Tank gefüllt. Mit 1,2 Mio. ha Rapsanbaufläche kann der gesamte jährliche Dieselkraftstoffbedarf der deutschen Landwirtschaft gedeckt werden. Gleichzeitig werden 2,8 Mio. t Eiweißfutter und 8 Mio. t Rapsstroh erzeugt, wodurch Sojaimporte vermindert und die Bodenfruchtbarkeit durch Humusaufbau gefördert werden.

Potentiale und Flächenbedarf

Die gesamte Ackerfläche in Deutschland beträgt 11,9 Mio. ha, die maximal mögliche jährliche Rapsanbaufläche beträgt ca. 2,1 Mio. ha. Eine Raps-Monokultur ist daher ausgeschlossen.

Um den jährlichen Kraftstoff-Bedarf aller landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge Deutschlands zu decken, benötigt man daher weniger als 10 % der ackerbaulich genutzten Gesamtfläche für die Produktion von Pflanzenöl-Kraftstoff. Dies entspricht einem Wert von ca. 2 Mio. t Pflanzenöl bei einem durchschnittlichen Rapsertrag von 4 t pro Hektar und einer Ölausbeute von ca. 30 %.

Berücksichtigt man, dass 2/3 der Ölsamenernte zu wertvollem Eiweißfuttermittel für Tiere werden, das sonst auf weiteren Ackerflächen angebaut werden müsste, benötigt man rechnerisch für die reine Kraftstoffproduktion sogar nur ca. 4 % der Ackerfläche.

Heimische Biokraftstoffe vermeiden somit im Sinne einer effizienten und nachhaltigen Ressourcennutzung Futtermittelimporte, z.B. von Soja, nach Deutschland. So müsste Deutschland ohne die Koppelprodukte aus der heimischen Biokraftstoffproduktion fast 50 % mehr Soja-Futtermittel importieren.


Weitergehende Informationen finden Sie z. B. über die Fachpublikation: tfz kompakt 9 Biokraftstoffe – Fragen und Antworten (Erscheinungsjahr 2012)